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Seit der griechisch-römischen Antike galt Afrika neben Europa und Asien als dritter Kontinent. Lange war Europäern nur mehr dessen nördlicher Teil geografisch vertraut, während die südlich der Sahara gelegenen Gebiete unbekannt blieben. Sie wurden erst durch die maritime Expansion der iberischen Seefahrer im 15. und 16. Jahrhundert zunächst nur entlang der Küsten erschlossen. Für das humanistische Europa war die Umrundung von Kap Bojador, dann die Überquerung des Äquators und die Umschiffung des Kaps der Guten Hoffnung, womit auch der Seeweg nach Asien eröffnet wurde, eine Sensation.
Diese südliche Bewegung der europäischen Expansion um 1500 stand lange im Schatten der sogenannten Entdeckung der Neuen Welt. Anders als bei Amerika handelte es sich bei Afrika weder um einen neuen noch um einen völlig unbekannten Kontinent. Das in Europa zirkulierende Wissen über Afrika war kaum gesichert, wirkte aber dadurch um so verheißungsvoller. So glaubte man an die Existenz eines christlichen Priesterkönigs Johannes, an ein Goldland mit sagenhaft reichen Herrschern, aber auch an lebensfeindliche Regionen, die von wunderlichen Tieren und Menschen bevölkert waren.
Heute finden sich zahlreiche Spuren dieses Interesses an Afrika in Gotha. Das Herzogtum Sachsen-Gotha wurde 1640 mitten im Dreißigjährigen Krieg gegründet. Der erste Herzog Ernst I. (1601–1675) modellierte sein Erbe zu einem Fürstenstaat, der für diese Zeit mustergültig war: Er errichtete mit Schloss Friedenstein eine neue Residenz, deren Name auch Programm war, und führte zahlreiche Reformen in Verwaltung, Schul- und Münzwesen durch. Außerdem förderte Ernst die Erforschung Äthiopiens und die Äthiopistik, welche der Gelehrte Hiob Ludolf (1624-1704) in Gotha gegründet hatte. So wurde der abessinische Geistliche Abba Gregorius (1595–1648) eingeladen, der bei Hof über die Lage der äthiopischen Christen, ihre Sprache und Kultur sowie viele andere Dinge befragt wurde. Außerdem schickte man Reisende, wie den Ludolf-Schüler Johann Michael Wansleben (1635–1679), nach Afrika. In der herzoglichen Bibliothek konzentrierte man sich auf die Sammlung von Reiseberichten, die im 18. Jahrhundert immer mehr anwuchs und weitere Gothaer Reisen nach Afrika zeitigte.
Warum aber interessierte man sich an einem relativ kleinen Hof wie Gotha für Afrika? Warum sammelte man hier sowohl Wissen über als auch Objekte aus Afrika? Welche Funktionen besaßen diese Sammlungen am Hof? War dieses Interesse am Kontinent typisch für die Frühe Neuzeit? Oder handelt es sich bei Gothas Afrika um einen Sonderfall der vormodernen höfischen Kultur?