Campus Gotha, Forschungsbibliothek Gotha, Forschungszentrum Gotha

Gothas Afrika. Höfische Wahrnehmung des Kontinents in der Frühen Neuzeit

Datum
25. Aug. 2025 - 29. Aug. 2025
Veranstaltungsort
CG3 – Forschungszentrum Gotha (Schloßberg 2, Gotha)
Veranstalter
Forschungszentrum Gotha in Kooperation mit der Forschungsbibliothek Gotha
Veranstaltungsart
Podiumsdiskussion/Forum
Veranstaltungssprache(n)
Deutsch

Gothaer Sommerschule unter Leitung von Benjamin Steiner (Erfurt/Gotha). In Kooperation mit der Forschungsbibliothek Gotha und mit Förderung durch die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung.

Informationen der Veranstalter

Seit der griechisch-römischen Antike galt Afrika neben Europa und Asien als dritter Kontinent. Lange war Europäern nur mehr dessen nördlicher Teil geografisch vertraut, während die südlich der Sahara gelegenen Gebiete unbekannt blieben. Sie wurden erst durch die maritime Expansion der iberischen Seefahrer im 15. und 16. Jahrhundert zunächst nur entlang der Küsten erschlossen. Für das humanistische Europa war die Umrundung von Kap Bojador, dann die Überquerung des Äquators und die Umschiffung des Kaps der Guten Hoffnung, womit auch der Seeweg nach Asien eröffnet wurde, eine Sensation. 

Diese südliche Bewegung der europäischen Expansion um 1500 stand lange im Schatten der sogenannten Entdeckung der Neuen Welt. Anders als bei Amerika handelte es sich bei Afrika weder um einen neuen noch um einen völlig unbekannten Kontinent. Das in Europa zirkulierende Wissen über Afrika war kaum gesichert, wirkte aber dadurch um so verheißungsvoller. So glaubte man an die Existenz eines christlichen Priesterkönigs Johannes, an ein Goldland mit sagenhaft reichen Herrschern, aber auch an lebensfeindliche Regionen, die von wunderlichen Tieren und Menschen bevölkert waren. 

Heute finden sich zahlreiche Spuren dieses Interesses an Afrika in Gotha. Das Herzogtum Sachsen-Gotha wurde 1640 mitten im Dreißigjährigen Krieg gegründet. Der erste Herzog Ernst I. (1601–1675) modellierte sein Erbe zu einem Fürstenstaat, der für diese Zeit mustergültig war: Er errichtete mit Schloss Friedenstein eine neue Residenz, deren Name auch Programm war, und führte zahlreiche Reformen in Verwaltung, Schul- und Münzwesen durch. Außerdem förderte Ernst die Erforschung Äthiopiens und die Äthiopistik, welche der Gelehrte Hiob Ludolf (1624-1704) in Gotha gegründet hatte. So wurde der abessinische Geistliche Abba Gregorius (1595–1648) eingeladen, der bei Hof über die Lage der äthiopischen Christen, ihre Sprache und Kultur sowie viele andere Dinge befragt wurde. Außerdem schickte man Reisende, wie den Ludolf-Schüler Johann Michael Wansleben (1635–1679), nach Afrika. In der herzoglichen Bibliothek konzentrierte man sich auf die Sammlung von Reiseberichten, die im 18. Jahrhundert immer mehr anwuchs und weitere Gothaer Reisen nach Afrika zeitigte.

Warum aber interessierte man sich an einem relativ kleinen Hof wie Gotha für Afrika? Warum sammelte man hier sowohl Wissen über als auch Objekte aus Afrika? Welche Funktionen besaßen diese Sammlungen am Hof? War dieses Interesse am Kontinent typisch für die Frühe Neuzeit? Oder handelt es sich bei Gothas Afrika um einen Sonderfall der vormodernen höfischen Kultur?

Die einwöchige Sommerschule, die von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung gefördert wird, wendet sich an Bewerber*innen aus dem Kreise fortgeschrittener Studierender während der Masterarbeit, Promovierende und Postdocs sowie Mitarbeiter*innen von Museen und ähnlichen Institutionen mit einem Interesse an der Wahrnehmungs- und Wissensgeschichte Afrikas, der Geschichte der Hofkultur sowie der Objekt-, Buch- und Gelehrsamkeitsgeschichte im Europa der Frühen Neuzeit. Begleitet von Vorträgen und Führungen durch ausgewiesene Expert:innen werden die Teilnehmer*innen im Rahmen von Workshops die reichen Bestände der Forschungsbibliothek Gotha, der Friedenstein Stiftung und des Staatsarchivs Gotha unter aktiver Mitwirkung kennenlernen.

Teilnehmen können max. 15 Personen. Weitere Informationen zur Bewerbung (bis 2. Juli) finden Sie auf der Website der Sommerschule. 

Sommerschule 2025

Kontakt

Kristina Petri
Kristina Petri, M.A.
Wissenschaftliche Mitarbeiterin (Zuständigkeitsbereiche: Veranstaltungen, Stipendienprogramme, Gastwissenschaftler, Öffentlichkeitsarbeit und Social Media)
(Forschungszentrum Gotha)
CG3 – Forschungszentrum Gotha / Raum 1.06

Leitung und Konzeption

Inhaber der Vertretungsprofessur für Wissenskulturen der Europäischen Neuzeit
(Philosophische Fakultät)
C18 – Lehrgebäude 4 / Raum E29