Am 26. Januar 2003 verstarb in Bonn die Orientalistin Annemarie Schimmel. International galt sie als eine der namhaftesten Gelehrten, vielleicht als die bedeutendste, die Deutschland auf dem Gebiet der Islamwissenschaft in der jüngsten Vergangenheit hervorgebracht hat.
Annemarie Schimmel wurde 1922 in Erfurt geboren und verbrachte hier ihre Jugend. Die ersten Kenntnisse in Arabisch vermittelte ihr der Erfurter Lehrer Dr. Hans Ellenberg. Mehr als ein halbes Jahrhundert später, 1997, wurde sie in das Kuratorium der neu gegründeten Universität Erfurt berufen. Aus Verbundenheit mit ihrer Heimatstadt vermachte sie einen Teil ihres Nachlasses der Universität Erfurt.
Einige Tausend Bücher aus dem Bestand der Universitätsbibliothek tragen nun das Exlibris Annemarie Schimmel. Eine Besonderheit stellt die beeindruckende Sammlung von Orden, Ehrendoktoraten und anderen Auszeichnungen dar, die der Orientalistin verliehen wurden.
Nachweis des Nachlasses
im Kalliope Verbundkatalog (Handschriften, Autographen, Nachlässe, Objekte)
„Von der atemberaubenden Vielfalt islamischer Strömungen in Geschichte und Gegenwart habe ich ansatzweise erst durch die Bücher von Frau Schimmel erfahren. Und vielleicht ergeht es anderen ja ähnlich. Dann hätten wir gemeinsam Nachholbedarf an Verstehen. Wir können es uns nicht erlauben, die Vielfalt islamischer Strömungen zu ignorieren; das hieße letztlich, nur die zu stärken, die differenziertes Denken verhindern wollen. Reden wir also nicht den einheitlichen Islam herbei, den es nicht gibt, der aber den politischen Fundamentalisten ihr Geschäft erleichtern würde.“
Roman Herzog: Laudatio zur Verleihung des Friedens-Preises des Deutschen Buchhandels, Frankfurt a.M. 1995