Erfurter Anthologie
Seit Jahresbeginn 2024 erscheint zweimonatlich ein Gedicht zeitgenössischer Lyriker:innen auf dem Instagram-Kanal der Theologischen Fakultät Erfurt.
Der Titel "lyrisches Glaubensbekenntnis" trägt bewusst eine innere Spannung in sich: Lyrik ist offen, suchend, ein Glaubensbekenntnis scheint fest und definitiv (zumindest im Augenblick des Sprechaktes). Der Ausdruck bezieht sich auf eines der frühen religionskritischen Gedichte Rainer Maria Rilkes (1875-1926) mit dem Teil “Mein Glaubensbekenntnis” (18.4.1893) und andererseits auf das Gedicht "Credo poético" vom spanischen Lyriker Miguel de Unamuno (1864-1936), verfasst im Jahr 1907.

Gerade in dieser Spannung von Offenheit und existentieller Suche möchten wir arbeiten und haben die Erfahrung gemacht, dass die Vielstimmigkeit und die zugleich tief persönliche Zugangsweise von Lyriker:innen mit ihren sprachlichen Gesten genau dies zulassen: Eine Lyrik, die in der Suche nach einem Bekenntnis die Frage darin stellt, nämlich insofern, dass Lyrik durch das Kaleidoskop von Sprache schauen lässt, Lyrik zeigt an und zeugt damit für die bleibende Frage, sei sie nach der Welt, nach Gott oder nach dem Leben. Bekenntnis heißt darin nicht Feststellung, Erklärung oder Ansage, sondern Spur, Suche und Sehnsucht.
Die Beiträge werden redaktionell betreut und gestaltet von Sophie von Kalckreuth und Tom Sojer.
Bisher erschienen sind:
Konstantin Stawenow (Erfurt): Gethsemane
Hildegard König (Chemnitz): bethlehems kinder
Beathe Krethlow (Bern): Paradiesische Tempi
Siljarosa Schletterer (Innsbruck): tuffbach 47°16'51.5''N 11°24'00.7''O
Markus Roentgen (Köln): A- DIEU
Marco Michalzik (Marburg)
Zum Hören und Sehen der Gedichte geht es auf die Seite von KThF.