Vortragsreihen
Tuesday Talks
Die „Tuesday Talks“ begannen im Sommersemester 2021 und werden seither fortgeführt. Die Reihe entstand in Kooperation mit den Erfurter Professuren für Wissenschaftsgeschichte, Nordamerikanische Geschichte und Zeitgeschichte sowie dem Göttinger Lehrstuhl für Neuere Geschichte.
Die Vergangenheit der Gegenwart. Eine Reihe in Gedenken an die Historikerin Rebekka Habermas
Im Dezember 2023 erreichte uns die traurige Nachricht vom Tod der herausragenden Historikerin Rebekka Habermas. Aus diesem Anlass veranstaltete das Forschungskolleg Transkulturelle Studien gemeinsam mit der Professur für Neuere Geschichte der Universität Göttingen im Sommersemester 2024 und im Wintersemester 2024/25 ein Gedenkkolloquium für Rebekka Habermas. Mit Veranstaltungen in Göttingen und Gotha wurde das wissenschaftliche Werk von Rebekka Habermas gewürdigt und ihre Ideen sowie Forschungen lebendig gehalten.
Die erste Runde eröffnete Bettina Brockmeyer (Gießen) in Göttingen mit einem Vortrag zu "Indifferenz und Ignoranz statt Amnesie und Aphasie" und dem westdeutschen Umgang mit der Kolonialvergangenheit. Hubertus Büschel (Kassel) setzte die Reihe in Gotha mit einem Vortrag zur Psychiatrie in kolonialen Kontexten fort und erörterte die Schwierigkeiten, "Leiden" als historisches Konzept zu begreifen. In Göttingen diskutierte Holger Stoecker (Göttingen) die Fragen der Provenienz und Restitution von Ancestral Remains aus kolonialen Kontexten. Den Abschluss der Reihe bildete Lyndal Roper (Oxford) mit ihrem Vortrag "Thinking across Disciplines. Aufruhr and the German Peasants’ War 1524-6" am Forschungskolleg Transkulturelle Studien in Gotha.
Die Vortragsreihe wurde in Zusammenarbeit mit der Professur für Neuere Geschichte fortgesetzt. Isabel Richter (Berkeley) sprach über "Gegenkulturen und indigene Akteur/innen in den globalen 1960er Jahren". Alexandra Przyrembel (Hagen) befasste sich mit dem "Traum vom Luxus" und damit dem "Super-Reichtum und den feinen Unterschieden der feinen Gesellschaft um 1900". Rebekka von Mallinckrodt (Bremen) diskutierte in Gotha "Race Making from Below" und Formen des Widerstands von People of Color im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert. Den Abschluss bildete Maria Rhode (Göttingen) mit einem Vortrag über afrikanische Ethnographica im geteilten Polen (1880–1920).
All diese Beiträge griffen zentrale Themen und Perspektiven der Arbeiten von Rebekka Habermas auf.
Programm Sommersemester 2024 | Programm Wintersemester 2024/25
Lesung: „Zerborstene Zeit. Deutsche Geschichte 1918 bis 1945“ von Michael Wildt
Unter dem Titel „Das politische Buch im Gespräch“ setzte das Forschungskolleg Transkulturelle Studien im Sommersemester 2023 die Reihe Tuesday Talks mit einer weiteren öffentlichen Abendveranstaltung fort: Zu Gast war Prof. Dr. Michael Wildt (Berlin) mit seiner Studie: „Zerborstene Zeit. Deutsche Geschichte 1918 bis 1945“. In dem Buch, das sich an die Scientific Community ebenso wie an ein breiteres Publikum wendet, hat Michael Wildt eine neue politische Geschichte der Zwischenkriegszeit vorgelegt, die ihresgleichen sucht: Schließlich wendet es sich gegen jegliche Versuche, eine neue Meistererzählung zu liefern und betont stattdessen das Fragmentarische und Unabgeschlossene. Das Buch versteht sich so auch als eine Einladung zum Nachfragen und zur Diskussion. Es wurde 2022 mit dem Preis des Historischen Kollegs ausgezeichnet.
Die Veranstaltung fand am 16. Mai 2023 um 18 Uhr in der Aula der Myconiusschule in Gotha statt in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung und dem Ernestinum Gotha.
Abendvortrag von Andrew Port: „Never Again: Germans and Genocide After the Holocaust“
Der US-amerikanische Historiker Andrew Port (Wayne State University) war im Juni in der DFG-Forschungsgruppe „Freiwilligkeit“ an der Universität Erfurt zu Gast. Andrew Port arbeitet zur neueren deutschen Geschichte und ist mit seinen Studien zur DDR und zum Sozialismus bekannt geworden. In seinem öffentlichen Vortrag „Never Again: Germans and Genocide After the Holocaust“ diskutierte er die Frage, wie die Erfahrung des Nationalsozialismus und die nachfolgende Auseinandersetzung mit dieser schwierigen Vergangenheit die deutschen Reaktionen auf die Völkermorde in Kambodscha, Bosnien und Ruanda bestimmten und wie dies das Geschichtsverständnis in der Bundesrepublik veränderte. Der Vortrag stützte sich auf Ports jüngst veröffentlichtes Buch Never Again (Harvard University Press, 2023).
Der Vortrag fand am Dienstag, 20. Juni 2023, 18-20 Uhr am Forschungscampus Gotha im Forschungskolleg Transkulturelle Studien (Pagenhaus) statt.